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Klaus Stüwe

Zeitenwende im Freistaat
Die Bundestagswahl 2017 aus bayerischer Sicht

A Turning Point for Bavaria. The Bundestag Election of 2017 from a ­Bavarian Perspective

Abstract The Bundestag election of 2017 was disastrous for Germany’s three major parties. Federal Chancellor Angela Merkel’s Christian Democratic Union (CDU) and its coalition partners in the federal government, the Bavarian Christian Social Union (CSU) and the Social Democratic Party (SPD), recorded their worst results ever. Voters shifted their support to smaller parties, in particular, the rightwing populist party Alternative für Deutschland (AfD). The AFD mainly attracted voters because it addressed the concerns of people worried about the migration policies of the Merkel government. Although the CSU, long the dominant party in Bavaria for decades, had harshly criticized Merkel during the electoral campaign, it suffered dramatic losses in the Bavarian elections. The reasons are partly long-term, partly short-term. The long-term factor was that there has been a general decline of mainstream-parties all over Europe resulting from a number of social and cultural changes. Even the traditionally strong CSU can no longer counter this trend. The short-term factor was that the CSU’s double strategy – criticizing Merkel but remaining a ­coalition partner – was not credible in the eyes of many voters. The hypothesis developed in the following article is: the Bundestag election of 2017 was a turning point for Bavaria’s party system that signaled the end of the extended era of one-party dominance by the CSU in ­Bavaria.

Die Bundestagswahlen vom 24. September 2017 können mit Fug und Recht als Zäsur in der politischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden. Mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist seit Langem wieder eine Partei im Parlament vertreten, die sich klar im rechten politischen Spektrum positioniert. Die beiden großen Parteien – Union und SPD – verloren dramatisch an Stimmen. Für die SPD bedeutete das Wahlergebnis sogar einen Negativrekord: Sie fuhr mit 20,5 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein. Für die Unionsparteien CDU und CSU war es mit 33 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis seit 1949. Der FDP gelang hingegen ein Comeback; sie zog nach vier Jahren Abstinenz wieder in den Bundestag ein. Mit den ebenfalls vertretenen Linken und Grünen ergab sich erstmals seit den 1950er-Jahren wieder ein Sechs-Fraktionen-Bundestag. Doch wie verlief die Bundestagswahl aus bayerischer Sicht? Welche Folgen hatte das Wahlergebnis für den Freistaat? Diesen Fragen geht der folgende Beitrag nach.

1. Stimmungstest: Bundestagswahlen und Landespolitik

Landtagswahlen haben in Deutschland immer auch beträchtliches bundespolitisches Gewicht. Zum einen entscheidet der Ausgang von Landtagswahlen nicht nur über die Zusammensetzung der betreffenden Landesregierung, sondern damit zugleich auch über die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat, also einem Bundesorgan. Zum anderen spielen bei Landtagswahlen neben landesspezifischen Themen stets auch bundespolitische Themen eine Rolle. Da das Grundgesetz die politische Par­ti­zi­pation im Bund auf die nur alle vier Jahre stattfindenden Bundestagswahlen ­beschränkt, sind innerhalb dieser vier Jahre die Landtagswahlen, neben der Europawahl, die einzige Möglichkeit – und für viele Wähler eine willkommene Gelegenheit –, Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Bundesregierung zu artikulieren. Landtagswahlen haben aus diesem Grunde immer mehr den Charakter von „Testwahlen“ angenommen und fungieren als Stimmungsbarometer für die Bundespolitik (Stüwe 2004, 26).

Doch haben umgekehrt die Bundestagswahlen auch Effekte auf die Landes­politik? Erstaunlicherweise hat sich die politikwissenschaftliche Literatur in Deutschland mit dieser Frage noch nicht näher beschäftigt. Dies mag daran liegen, dass Bundestagswahlen keine unmittelbaren Folgen für die politischen Systeme der 16 Bundesländer haben: Landesparlamente und Landesregierungen sind von Wahlen im Bund institutionell unabhängig.

Gleichwohl bleibt die Landespolitik keinesfalls unberührt davon, wenn im Bund gewählt wird. Schon das besondere Wahlrecht der Bundesrepublik, das nach § 4 des Bundeswahlgesetzes (BWahlG) neben der Direktwahl von Wahlkreisabgeordneten (Erststimme) auch die Wahl von so genannten „Landeslisten“ (Zweitstimme) vorsieht, sorgt dafür, dass Bundestagswahlen auch auf Landesebene von Bedeutung sind. Es gibt keine gesamtstaatliche Kandidatenliste, sondern die Bewerber/-innen auf den Landeslisten dürfen nach § 27 BWahlG nur von politischen Parteien in den Ländern aufgestellt werden. Nach der Wahl werden die Listenplätze entsprechend den Zweitstimmenergebnissen in den jeweiligen Ländern verteilt.

Diese Wahlrechtsregelungen, die bei der Kandidatenaufstellung für den Deutschen Bundestag den Landesverbänden der politischen Parteien eine starke Rolle zuweisen, trägt der historisch gewachsenen Organisationsstruktur der meisten politischen Parteien Rechnung, die nach 1945 in Deutschland entstanden sind. Im institutionellen Aufbau der Parteien, die von unten nach oben erfolgt, hatten die Landesverbände von jeher ein großes Gewicht. Für Parteien, die sich nur in einem einzigen Land zur Wahl stellen (wie in Bayern die CSU), gibt es über die Landesebene hinaus gar keine Bundesorganisation (Hermannseder 2013, 172 ff.).

Beide Faktoren – Wahlrecht und Organisationsstruktur der politischen Par­teien – führen dazu, dass die Landesverbände der Parteien auch im Bundestagswahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Jeder Landesverband einer Partei hat ein Interesse daran, dass möglichst vielen seiner Wahlkreis- und Listenkandidaten/-innen der Einzug in den Deutschen Bundestag gelingt. Darüber hinaus wünschen sich natürlich die politischen Akteure auf Landesebene, dass ihre jeweilige Partei auch auf Bundesebene gut abschneidet. Wie Landtagswahlen für den Bund, so können auch Bundestagswahlen als Stimmungsbarometer für die Landespolitik fungieren. Ein Erfolg der eigenen Partei auf Bundesebene wird auf Landesebene regelmäßig als positives Signal interpretiert, während Stimmenverluste bei Bundestagswahlen bei den Landesverbänden der Parteien die Alarmglocken schrillen lassen – ungeachtet der Tatsache, dass nach außen dann trotzdem gern betont wird, bei Bundestagswahlen gehe es in erster Linie um Bundespolitik. Aus diesen Gründen sind die Landesverbände der politischen Parteien auch in Bundestagswahlkämpfen sehr engagiert.

Da die CSU nur in Bayern kandidiert und sie sich zugleich als Partei mit bundespolitischem Anspruch versteht, ist die Bedeutung der Bundestagswahlen für sie sogar noch größer als für die anderen Parteien. Der Ausgang der Bundestagswahl entscheidet schließlich nicht nur darüber, wie viele Abgeordnete der CSU künftig im Deutschen Bundestag vertreten sein werden, sondern zugleich auch wie groß der politische Einfluss der Partei auf Bundesebene sein wird.

Im Vorfeld der Bundestagswahl von 2017 waren diese landespolitischen Aspekte in Bayern besonders stark zu spüren. Nur 13 Monate später, am 14. Oktober 2018, sollten die bayerischen Landtagswahlen stattfinden. Die Bundestagswahl konnte deshalb als wichtiger Stimmungstest für die bevorstehenden Landtagswahlen betrachtet werden.

2. Bundestagswahlkampf: Die Kampagnen der bayerischen Parteien

Wenige Wochen vor dem Wahltermin bezeichnete die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Bundestagswahlkampf als „laues Lüftchen“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017). In der Tat war es, gemessen an früheren Wahlkämpfen, zu keiner großen Polarisierung zwischen den Unionsparteien und der SPD gekommen. Der Grund dafür war einerseits, dass sich beide Parteien seit 2013 in einer Großen Koalition befanden und daher gemeinsam Verantwortung für die zurückliegenden Jahre übernehmen mussten. In einer solchen Situation fiel es insbesondere der SPD schwer, ihr programmatisches Profil zu schärfen und sich als Gegenmodell zu einer von Angela Merkel und Union geführten Regierung zu präsentieren. Dass sich die CDU unter der Führung Angela Merkels seit 2005 programmatisch modernisiert hatte und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz durch Merkels bewährte Taktik der „asymmetrischen Demobilisierung“ (Jung et al. 2009) kaum effektive Angriffspunkte in der Auseinandersetzung mit ihr finden konnte, erschwerte die Lage für die Sozialdemokraten zusätzlich.

Andererseits mangelte es nicht an politischen Konfliktthemen. Seit dem Einsetzen der Flüchtlingskrise hatte sich die politische Stimmung in Deutschland ab August 2015 schlagartig verändert (Niedermayer 2017b, 118 ff.). Beide Regierungsparteien verloren massiv an Zustimmung. In den Landtagswahlen von 2016 und 2017 in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Berlin und Baden-Württemberg mussten CDU und SPD erhebliche Stimmenverluste verkraften. Nur in Rheinland-Pfalz konnte die SPD unter der populären Ministerpräsidentin Malu Dreyer minimal Gewinne erzielen. Zeitgleich schnellten die Umfragewerte der Alternative für Deutschland (AfD) nach oben. Die Rechtspopulisten machten sich zum Sprachrohr einer durch die Flüchtlingswellen tief verunsicherten Bevölkerung. Islamistische Terroranschläge in Paris und Brüssel und die Übergriffe überwiegend maghrebinischer Migranten auf Frauen am Silvesterabend 2015/2016 in Köln spielten ihnen dabei ebenso in die Hände wie der Streit innerhalb der Regierung über die „Asylpakete“ und die heftige Kritik von Teilen der Union am Kurs der eigenen Kanzlerin (Decker 2018, 57). Erstmals gelang es der kurz zuvor schon totgesagten AfD, in Landesparlamente einzuziehen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung kam es zu einem offenen Zerwürfnis zwischen den beiden Schwesterparteien CDU und CSU. Angesichts der Wahlerfolge der AfD sah sich insbesondere die CSU in Bayern herausgefordert. Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer kritisierte die liberale Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin und warf ihr öffentlich Fehler vor. „Wir sind der Auffassung“, sagte er beim CSU-Parteitag im November 2015, dass die Zustimmung der Bevölkerung zur Bewältigung der Flüchtlingsthematik nicht auf Dauer zu haben sei, „wenn wir nicht zu einer Obergrenze kommen“ (Spiegel online 2015). Merkel hatte sich zuvor nicht auf eine Obergrenze festlegen wollen. Die Bilder aus der Münchner Messehalle, wie Seehofer die Kanzlerin auf offener Bühne abkanzelte, wirkten noch lange nach.

Im gemeinsamen Wahlprogramm für die Bundestagswahl gelang es den Unionsparteien jedoch, die Gemeinsamkeiten wieder in den Vordergrund zu rücken. Vollbeschäftigung, Sicherheit und Steuerentlastungen waren die Schwerpunkte ihres „Regierungsprogramms 2017 – 2021“. Der Spitzenkandidat der CSU, Innenminister Joachim Hermann, sollte insbesondere im Politikfeld Innere Sicherheit für Kompetenz stehen. Auf die von der CSU geforderte Obergrenze für Flüchtlinge konnten sich die Schwesterparteien nicht verständigen. Dennoch waren sich CDU und CSU einig, dass es nicht wieder zu einer Situation wie 2015 kommen sollte, als fast eine Million Flüchtlinge nach Deutschland strömte: „Wir wollen, dass die Zahl der Flüchtlinge, die zu uns kommen, dauerhaft niedrig bleibt“, hieß es im Wahlprogramm (CDU/CSU 2017, 63). Horst Seehofer kündigte indessen an, im Herbst 2017 nach der Bundestagswahl wieder als Parteichef und im Herbst 2018 wieder als Ministerpräsident zu kandidieren.

Der Landesverband der bayerischen SPD hoffte mit ihrem Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden Florian Pronold, von der Schwäche der Unionsparteien profitieren zu können. Die Bayern-SPD hatte schon seit jeher einen schweren Stand (Kießling 2004, 55 ff.). Ihr bestes Landtagswahlergebnis überhaupt hatte sie 1966 mit 35,8 Prozent der Stimmen gehabt. Gerade einmal für 20 Prozent reichte es im Jahr 2013. Kein einziges Direktmandat hatte die Partei bei den Bundestagswahlen 2013 in Bayern erringen können. Doch nun witterten die Genossen eine Chance: Zum einen kalkulierte man damit, von den Querelen innerhalb der Unionsparteien zu profitieren; zum anderen hoffte auch die bayerische SPD am so genannten „Schulz-Effekt“ zu partizipieren, der die Zustimmungswerte für die Sozialdemokraten seit der Nominierung des populären ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten Anfang 2017 hatte ansteigen lassen. Unter Schulz gelang es der SPD, in den Umfragen für den Bund zeitweise mit der Union annähernd gleichzuziehen.

Seit der Nominierung von Schulz sei die Zahl der SPD-Mitglieder im Freistaat um 1.200 gestiegen, berichtete der bayerische SPD-Chef Florian Pronold im März 2017. Die SPD müsse nun die Stimmung im Land nutzen, „der sozialen Gerechtigkeit im Land zu mehr Geltung zu verhelfen“, sagte Pronold (Focus 2017). Kanzlerkandidat Schulz hatte angekündigt, die in der Partei ungeliebte Hartz IV-Gesetz­gebung grundlegend modifizieren zu wollen. Doch in den Augen vieler potenzieller SPD-Wähler/-innen trat er nicht geschlossen genug auf (Jesse 2018, 173). Der „Schulz-­Effekt“ hielt deshalb nicht lange. Bei den drei auf seine Nominierung folgenden Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen büßte die SPD Stimmanteile ein und konnte ihre Wahlziele, die Übernahme bzw. den Erhalt der Regierungsbeteiligung, nicht erreichen. Seit dieser Zeit ließen die Umfrageergebnisse der SPD bundesweit und in Bayern Mitte 2017 wieder deutlich nach.

Den bayerischen Grünen hatten die Fokussierung des Wahlkampfs auf Sicherheit und Zuwanderung sowie der anfängliche „Schulz-Effekt“ bei der SPD zunächst zu schaffen gemacht. Der Ökopartei gelang es nur schwer, sich mit ihren Themen zu profilieren. Zudem gab es selbst unter den Anhängern Zweifel, ob die oft emotional auftretende Spitzenkandidatin Claudia Roth und der eher hölzern wirkende Toni Hofreiter auf Listenplatz 2 – zwei ausgewiesene Parteilinke – das richtige Spitzenduo für die bayerischen Wähler waren.

Für die bayerische FDP ging es bei der Bundestagswahl ums Ganze. Nach dem Absturz im Jahr 2013, als die FDP aus dem Deutschen Bundestag und dem bayerischen Landtag geflogen war, wollten die Liberalen wieder zu einer bundespolitischen Größe werden. Seitdem Christian Lindner Ende 2013 auf Bundesebene den Parteivorsitz übernommen hatte, gingen die Zustimmungswerte für die FDP jedoch allmählich nach oben. Der Spitzenkandidat der bayerischen FDP, Generalsekretär Daniel Föst, hatte jedoch nur niedrige Bekanntheitswerte.

Die Linke fristet in Bayern ein Schattendasein. Bei den Landtagswahlen hatte sie noch nie den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Bei der Bundestagswahl von 2013 war sie auf gerade einmal 3,9 Prozent der Zweitstimmen gekommen. Im Jahr 2017 setzte sie darauf, mit dem Thema Einkommensungleichheit bei den Wählerinnen und Wählern Zuspruch zu finden. Auf Platz 1 der Landesliste der Linken stand Klaus Ernst, der als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügte.

Der bayerische Landesverband der AfD indessen setzte voll darauf, die Flüchtlingspolitik in den Fokus zu rücken und die Politik der Unionsparteien zu attackieren. Den Konflikt der CSU mit Kanzlerin Angela Merkel um eine Obergrenze nahm die AfD gerne auf. So sagte etwa AfD-Spitzenkandidat Martin Hebner: „Die Obergrenze der AfD beträgt null“ (Süddeutsche Zeitung 2017b). Ein AfD-naher Verein hängte sogar Plakate mit dem Schriftzug „Franz-Josef Strauß würde AfD wählen“ (Welt 2017) auf. Dessen Familie verneinte entschieden und verwies auf die christ­lichen Wertvorstellungen, die Strauß von der AfD deutlich unterschieden. Die Empörung war riesig, doch das Plakat verfehlte seine Wirkung nicht. Schon im Januar 2017 konnte die Partei bei den Umfragen in Bayern zweistellige Ergebnisse erlangen (Kontrovers BayernTrend 2017).

Die bayerischen Freien Wähler schließlich, die seit 2008 im bayerischen Landtag die drittstärkste politische Kraft bildeten und bei den Landtagswahlen 2013 11,6 Prozent der Wählerstimmen errungen hatten, traten 2017 mit ihrem Spitzen­kandidaten Hubert Aiwanger ebenfalls für die Bundestagswahl an. Neben dem Landesvorsitzenden stellten sich 44 weitere Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Doch waren die Chancen von Anfang an gering, bundesweit die 5-Prozent-Hürde zu überspringen, die Voraussetzung für den Einzug in den Deutschen Bundestag ist (Walther/Angenendt 2018).

Mit Spannung erwarteten bayerischen Parteien den Wahlabend im September 2017. Würde die CSU den Abwärtstrend der Union aufhalten und wieder die abso­lute Mehrheit der Stimmen erreichen können? Wie viele Abgeordnete würde sie in der gemeinsamen Unionsfraktion des 19. Deutschen Bundestags stellen? Wie würde die AfD abschneiden? Und würde es der Bayern-SPD gelingen, ihre Werte zu verbessern?

3. Wahlergebnis: Die wichtigsten Zahlen auf Bundesebene

Am 24. September 2017 fand die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag statt. 61,7 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen. 76,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich, was etwa 5 Punkte über den Werten von 2013 und 2009 lag. Als am Wahlabend um 18.00 Uhr bei ARD und ZDF die ersten Prognosen über die Bildschirme flimmerten, wurde klar, dass an diesem Tag eine Zeitenwende im politischen System der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hatte (Bundeswahlleiter 2017). Die bisherigen Regierungsparteien, CDU/CSU und SPD, erlitten historische Stimmenverluste. CDU und CSU kamen nach Auszählung aller 299 Wahlbezirke auf nur noch 33,0 Prozent, ein Minus von 8,6 Prozent. Nur 1959 hatte die Union mit 31,0 Prozent noch schlechter abgeschnitten. Die SPD musste ein Minus­ von 5,2 Prozent verkraften und lag bei 20,5 Prozent, ihrem historisch schlechtesten Ergebnis überhaupt (Bundeswahlleiter 2017).

Die bisherigen Regierungspartner verloren zusammen fast 14 Prozentpunkte. Gemeinsam banden die beiden ehemaligen Volksparteien lediglich 53,4 Prozent der Zweitstimmen, was den niedrigsten Wert in der bundesdeutschen Geschichte darstellt (Niedermayer 2017a). Der gemeinsame Stimmenanteil von Union und SPD ging zuletzt bei elf von fünfzehn Wahlen zurück. Die frühere Dominanz der beiden Parteien war damit stark erschüttert worden. Das deutsche Parteiensystem ist damit in der Typologie Oskar Niedermayers endgültig nicht mehr als Parteiensystem mit Zweiparteiendominanz, sondern als pluralistisches Parteiensystem einzuordnen (Niedermayer 2017b).

Trotz ihrer Verluste wurde die Union mit Abstand die stärkste Fraktion und konnte damit erneut den Anspruch erheben, die Kanzlerin stellen zu dürfen. Dies entsprach auch dem Willen der meisten Wähler/-innen. Die Umfrageinstitute waren sich einig, dass das Ergebnis der Union zu einem großen Teil auf Angela Merkel zurückzuführen war: 56 Prozent wollten sie als Bundeskanzlerin sehen, nur 34 Prozent Martin Schulz (Forschungsgruppe Wahlen 2017; Infratest dimap 2017).

Großer Gewinner der Wahl aber war die AfD, die gegenüber der Wahl von 2013 7,9 Prozentpunkte hinzugewann und mit 12,6 Prozent der Zweitstimmen drittstärkste Kraft im Deutschen Bundestag wurde. Ihr Ergebnis lag sogar noch über den zuletzt für die Partei prognostizierten Werten und setzt ihre Erfolgswelle der letzten dreizehn Landtagswahlen fort. Erstmals seit den 1950er-Jahren war damit wieder eine rechte Partei im Deutschen Bundestag vertreten.

Erhebliche Gewinne (plus 5,9 Prozentpunkte) erzielte auch die FDP, die mit 10,5 Prozent wieder in das Parlament einziehen konnte. Leicht dazugewinnen konnten auch die Linken (9,2 Prozent) sowie die Grünen (8,9 Prozent). Berücksichtigt man allerdings die insgesamt gestiegene Wahlbeteiligung, so wird deutlich, dass es beiden Parteien gelungen war, in absoluten Zahlen mehr Wähler/-innen als zuvor zu mobilisieren.

Mit sieben Parteien in sechs Fraktionen zogen nicht nur mehr Parteien, sondern mit 709 Sitzen auch deutlich mehr Abgeordnete als je zuvor in den Deutschen Bundestag ein. Die Union errang 231 Direktmandate, die SPD nur 59, Die Linke 5 (vier in Berlin, eines in Sachsen), die AfD 3 (alle in Sachsen), Bündnis90/Die Grünen eines (in Berlin). Da die CDU als stärkste Partei nicht einmal ein Drittel der Stimmen erzielte hatte, gab es zahlreiche Überhang- und Ausgleichsmandate (insgesamt 111). Hauptursache für diese starke Zunahme an Mandatsträgern war die Wahlrechtsreform von 2013 gewesen, die vorschrieb, Überhangmandate durch Ausgleichsmandate zu ergänzen, was die Gesamtzahl der Mandate bei der Wahl von 2017 stark nach oben trieb.

4. Im Freistaat: Wie die Parteien auf Landesebene abschnitten

Wie im Bund, so erschütterte das Ergebnis der Bundestagswahl von 2017 auch auf Landesebene die Parteienlandschaft tief. Die CSU, eine der „letzten Volksparteien Europas“ (Hermannseder 2013), erlitt bei der Bundestagswahl in Bayern deutliche Verluste. Bei den Zweitstimmen erhielt die Partei des Ministerpräsidenten Horst Seehofer bayernweit 38,5 Prozent – ein Verlust von 10,8 Prozentpunkten gegenüber 2013. Damit musste die CSU ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949 verkraften. Die CSU hatte damit bundesweit einen Stimmenanteil von 6,2 Prozent (2013: 7,4 Prozent).

Nach der Auszählung stand immerhin fest: Die CSU konnte in allen 46 Wahlkreisen Bayerns das Direktmandat erringen. Diese CSU-Dominanz bei den Direktmandaten ist historisch: Letztmals gewann die SPD 1998, als Gerhard Schröder Bundeskanzler wurde, außerhalb der Großstädte München und Nürnberg Direktmandate – in Hof und Coburg. Das letzte Direktmandat für die SPD – in München-Nord – ging 2009 verloren.

Auch die SPD erzielte im Freistaat das schlechteste Bundestagswahlergebnis überhaupt. Mit 15,3 Prozent musste sie bei den Zweitstimmen gegenüber der Bundestagswahl von 2013 ein Minus von 4,7 Prozent verzeichnen.

Wie auf Bundesebene, so wurde die AfD auch im Freistaat zur drittstärksten Kraft (12,4 Prozent). Damit votierte mehr als jeder zehnte Wähler in Bayern für die AfD; fast überall in Bayern kam sie auf ein zweistelliges Ergebnis. Vor allem im Südosten des Landes, an der Grenze Österreich und Tschechien, von wo 2015 ein Großteil der Flüchtlinge nach Deutschland eingereist war, bildeten sich Hochburgen der AfD. In Deggendorf in Niederbayern kam sie auf 19,2 Prozent der Zweitstimmen, im benachbarten Straubing erzielte sie 18,4 Prozent, in Schwandorf 17,4 Prozent. In einigen Wahlkreisen (Freising, Schongau-Weilheim-Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach) wurde die rechtspopulistische Partei bei den Zweitstimmen sogar zweitstärkste Kraft, noch vor der SPD. Besonders schmerzhaft für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): Auch in seiner Heimatregion Ingolstadt landete die AfD auf 15,1 Prozent noch vor der SPD (13,4 Prozent). Schwächere Ergebnisse hatte die AfD in den Wahlkreisen Starnberg-Landsberg-am-Lech und München Land, wo sie hinter CSU, SPD, Grünen und FDP landete. Auch in der Landeshauptstadt München schnitt die AfD mit 8,4 Prozent schwächer ab als im Landesdurchschnitt (Bayerisches Landesamt für Statistik 2017).

Neben der AfD konnte auch die FDP ein bemerkenswert positives Ergebnis erzielen. Obwohl sie 2017 weder im Bundestag noch im Bayerischen Landtag vertreten war, erreichte sie 10,4 Prozent der Zweitstimmen. Freuen konnte sich auch die Linke, die mit 6,12 Prozent den größten Erfolg feiern konnte, den sie in Bayern jemals hatte. Die Grünen (9,8 Prozent) erzielten ebenfalls einen leichten Stimmen­zuwachs. Die Freien Wähler kamen auf nur 2,7 Prozent.

Erfreulicher sah das Ergebnis für die CSU nach der Auszählung der Erststimmen aus, die für die Verteilung der Direktmandate entscheidend sind. Insgesamt waren in Bayern bei der Bundestagswahl im Jahr 2017 46 Direktmandate zu vergeben. Mit Starnberg-Landsberg-Germering hatte der Freistaat wegen verschobener Bevölkerungsanteile auf Kosten Thüringens einen zusätzlichen, 46. Wahlkreis hinzubekommen. Die CSU konnte wie schon 2013 alle Bundestagswahlkreise gewinnen. Dies lag an dem hier geltenden relativen Mehrheitswahlrecht, das dem/der relativ stärksten Wahlkreisbewerber/-in den Zugriff auf das Mandat sichert. Landesweit kam die CSU hier auf 44,2 Prozent, während die SPD mit 18,1 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei kam.

Allerdings offenbart ein Blick in die Wahlstatistik, dass die Erfolge der einzelnen CSU-Kandidaten/-innen in den Wahlkreisen stark variierten. So gewann Emmi Zeulner (CSU) im nordbayerischen Wahlkreis Kulmbach deutlich mit 55,4 Prozent der Erststimmen, während Sebastian Brehm (CSU) im Wahlkreis Nürnberg-Nord 31,3 Prozent der Erststimmen reichten, um das Direktmandat für den Bundestag zu erringen.

Rechnet man die Direktmandate und die Listenmandate zusammen, dann wurden 2017 insgesamt 108 Abgeordnete aus Bayern in den Deutschen Bundestag gewählt. Nach dem amtlichen Endergebnis konnte die CSU 46 Direktkandidaten in den Bundestag entsenden. Die insgesamt 75 Personen umfassende Landesliste der CSU ging aufgrund des schlechten Zweitstimmenergebnisses der Partei jedoch leer aus. Selbst der Spitzenkandidat der CSU-Liste, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, verfehlte ein Mandat. Er war auf Platz eins der Landesliste angetreten. Die bayerische SPD konnte 18 Abgeordnete in den 19. Deutschen Bundestag schicken, die Grünen 11 Abgeordnete, die FDP 12, die AfD 14 und die Linke 7.

Abb. 4: Bundestagswahl 2017 in Bayern / Endgültiges Ergebnis (Quelle: Der Landeswahlleiter)

Erststimmen (%)

Zweitstimmen (%)

Direktmandate

Listenmandate

CSU

44,2

38,8

46

SPD

18,1

15,3

18

B‘90/Grüne

9

9,8

11

Linke

5,2

6,1

7

FDP

6,5

10,2

12

AfD

10,5

12,4

14

Sonstige

6,5

7,5

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik 2017

5. Zeitenwende: Analyse der Bundestagswahl 2017 aus bayerischer Sicht

Nicht nur in einer gesamtdeutschen Perspektive, sondern auch aus bayerischer Sicht stellte die Bundestagswahl 2017 in zweifacher Weise eine Zeitenwende dar: Zum einen markierte die Wahl das Ende einer Jahrzehnte währenden Dominanz der CSU, zum anderen erhielt auch in Bayern erstmals nach vielen Jahren wieder eine rechtsnationale Partei beträchtlichen Wählerzuspruch. Zuletzt hatte zwischen 1966 und 1970 die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) den Einzug in den Bayerischen Landtag geschafft.

Der über viele Jahre währende Erfolg der CSU, ob bei Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen, kann als einzigartig bezeichnet werden. Außer vielleicht der Südtiroler Volkspartei (SVP), die vergleichbare Erfolge verzeichnen konnte (Hermannseder 2013), ist es im deutschsprachigen Raum keiner anderen Partei gelungen, über 60 Jahre lang – seit Mitte der 1950er-Jahre – einen so konstant hohen Wählerzuspruch zu bekommen. „50 Prozent plus X“ galt jahrzehntelang als Messlatte für Wahlergebnisse der CSU. Bei den Bundestagswahlen von 1976 konnte sie sogar 60 Prozent der Stimmen gewinnen, ein Wert, der bei der Landtagswahl von 1974 mit 62,1 Prozent und bei den Europawahlen von 1999 mit 64 Prozent noch übertroffen wurde.

Warum es der CSU gelungen ist, über eine lange Zeit hinweg so erfolgreich zu sein, ist Gegenstand vieler politikwissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Der hohe Organisationgrad der Partei, soziokulturelle Besonderheiten in Bayern, der wirtschaftliche Erfolg des Landes unter CSU-Regierungen sowie die Tatsache, dass es der CSU gelungen ist, sich selbst als Verkörperung Bayerns darzustellen, wurden als Faktoren genannt (Mintzel 1998; Kießling 2004).

Doch auch die CSU konnte sich auf Dauer den Prozessen des sozialen Wandels nicht entziehen, die in Deutschland und anderen etablierten Demokratien seit den 1970er-Jahren allmählich zu einer Veränderung der Parteienlandschaft führten. Der Rückgang der Wahlbeteiligung, ein Schrumpfen der Stammwählerschaft der Par­teien sowie eine zunehmende Volatilität des Wählerverhaltens waren die wichtigsten Faktoren, die eine Fragmentierung des Parteiensystems zur Folge hatten. Dieser Trend ging auch an der CSU nicht spurlos vorüber (Oberreuter 2011).

Mit den Landtagswahlen von 2008, die nach dem erzwungenen Rücktritt von Ministerpräsident Edmund Stoiber und dem unglücklichen Agieren seines Nachfolge-Duos Beckstein/Huber erstmals seit 1962 zum Verlust der absoluten Mehrheit geführt hatten, begann bei der CSU ein Erosionsprozess. Bei den Bundestagswahlen von 2009 kam die Partei nur noch auf 42,5 Prozent der Zweitstimmen. Doch nach der Übernahme des Parteivorsitzes und des Ministerpräsidentenpostens durch den populären Horst Seehofer konnte die CSU im Jahr 2013 bei den Bundestagswahlen (49,3 Prozent) und Landtagswahlen (47,7 Prozent) fast noch einmal zu alter Stärke zurückkehren. Seehofer konnte nach fünf Jahren CSU-FDP-Koalition wieder eine CSU-Alleinregierung in Bayern führen.

Seit 2013 war die CSU in Berlin an einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD beteiligt, die zunächst von einem anhaltend hohen Wählerzuspruch getragen wurde. Ab September 2015 aber verlor zunächst die Union und später auch die SPD kontinuierlich an Zustimmung. Auslöser und Hauptursache für den Stimmungs­umschwung war die „Flüchtlingskrise“.

„Dominierte anfangs in der Bevölkerung noch eine ausgeprägte Willkommensstimmung, nahm mit anhaltend hoher Zahl von Zuwanderern der Eindruck zu, die Politik habe die Kontrolle verloren und die Probleme der Integration unterschätzt. Die Folgen waren eine Polarisierung der Debatte, wie sie die Bundesrepublik lange nicht erlebt hatte, und eine Politisierung breiter Bevölkerungsgruppen, die sich bei den Landtagswahlen 2016 in einem deutlichen Anstieg der Beteiligung und in bis dato kaum für möglich gehaltenen Erfolgen einer rechtspopulistischen Partei, der AfD, niederschlugen“ (Hilmer/Gagné 2018, 373).

Die CSU bekam nun Konkurrenz von rechts, worauf die Partei bis zur Bundestagswahl 2017 keine strategisch überzeugende Antwort finden konnte.

Doch nicht nur das Flüchtlingsthema sorgte im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 für ein Klima der Unsicherheit. Im Juni 2016 versetzten die Briten mit ihrem Brexit-Votum der europäischen Integrationsidee – für die sich die CSU seit den Zeiten von Franz Josef Strauß eingesetzt hatte – einen empfindlichen Schlag. Auch die Freundschaft mit den USA, eine weitere wichtige Säule der CSU-Programmatik, erlitt seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November 2016 einen deutlichen Dämpfer. Bilder eines randalierenden Mobs beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 erschütterten bei vielen Wählern/-innen das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Sicherheitsorgane. Auch dieses Politikfeld gehörte seit jeher zu den zentralen Kompetenzmerkmalen der CSU. Und schließlich sorgte bei vielen CSU-Anhängern im Juni 2017 eine schnelle Bundestagsentscheidung über die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare für Aufregung. Bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin hatte Merkel in der letzten Sitzungswoche des 18. Bundestags angekündigt, bei einer Abstimmung über die gleichgeschlechtliche Ehe auf die Fraktionsdisziplin zu verzichten. Die CSU machte daraufhin ihre Ablehnung einer Ehe zwischen Homosexuellen deutlich, äußerte in einer Pressemitteilung aber Verständnis, wenn Abgeordnete der CSU bei der Abstimmung im Deutschen Bundestag aus Gewissensgründen eine abweichende Entscheidung treffen. Diese ambivalente Haltung kurz vor der Bundestagswahl irritierte insbesondere die konservativen, kirchengebundenen Teile der CSU-Wählerschaft.

Die massiven Stimmenverluste der CSU bei den Bundestagswahlen von 2017 haben somit längerfristige und kurzfristige Ursachen. Sie waren am Ende unvermeidlich. Dem seit Langem ablaufenden sozialen Wandel, der zu einem Schrumpfen der ehemaligen Volksparteien CDU und SPD geführt hatte, konnte sich auch die CSU nicht auf Dauer entgegenstellen. Zudem waren mit der Flüchtlingskrise und anderen politischen Ereignissen im Vorfeld der Bundestagswahl Entwicklungen in Gang gesetzt worden, die von der CSU-Führung nicht gesteuert werden konnten. Als Juniorpartnerin in einer Großen Koalition von CDU, CSU und SPD, die auf die Stimmen der CSU nicht einmal angewiesen war, war der Handlungsspielraum der CSU von vornherein begrenzt. Verbale Attacken und politische Drohungen von Parteichef Horst Seehofer gegenüber der Kanzlerin oder gegenüber der SPD liefen so ins Leere.

Der zweite Aspekt der Zeitenwende in Deutschland und Bayern, die Wahlerfolge der AfD, mit der sich seit den Grünen Anfang der 1980er-Jahre erstmals wieder eine vollkommen neue Kraft im Parteiensystem etablieren konnte, hat bereits eine Vielzahl politikwissenschaftlicher Analysen hervorgerufen (Bergmann et al. 2018, 243). Die verschiedensten Ursachen für den Aufstieg der AfD wurden diskutiert. So wurden die Erfolge rechtspopulistischer Parteien nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas, damit erklärt, dass deren Wähler besonders häufig in strukturschwachen Regionen zu finden seien (Inglehart/Norris 2016). Es wurde darauf hingewiesen, dass sich ein Teil der Bevölkerung von den Begleiterscheinungen der Globalisierung bedroht fühle und deshalb dazu neige, rechtspopulistischen Thesen zu folgen (de Vries/Hoffman 2016; Lengfeld 2017). Auch finden sich mitunter gewisse rechtsnationale Traditionslinien in bestimmten Regionen (Bergmann et al. 2018, 244).

Tatsächlich gibt es wohl viele Gründe dafür, warum Bürgerinnen und Bürger populistische Parteien wie die AfD wählen. Nicht übersehen werden darf zudem, dass die AfD häufig nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung und Protest gegenüber den anderen Parteien gewählt wird. Bundesweit traf dies 2017 auf 61 Prozent der AfD-Wähler zu; demgegenüber wurden die anderen Parteien mehrheitlich aus Überzeugung gewählt (infratest dimap 2017).

Die AfD wurde so zu einer massiven Herausforderung für die CSU. Angesichts des Erstarkens der AfD hatte CSU-Chef Horst Seehofer im Vorfeld der Bundestagswahl wiederholt den Anspruch formuliert, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe – ein Zitat von Franz Josef Strauß. Mit ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik Angela Merkels versuchte die CSU deshalb, diejenigen Wählerinnen und Wähler anzusprechen, die mit der AfD liebäugelten. Doch Kanzlerin Merkel hielt dem entgegen, wenn dies bedeute, dass „im Ergebnis Prinzipien relativiert oder gar aufgegeben werden müssten“, dann gelte dieser Satz nicht für sie (Süddeutsche Zeitung 2016). Am Ende blieb der Konflikt zwischen den beiden Unionsparteien bis zur Bundestagswahl ungelöst.

6. Ausblick: Reaktionen und Folgen

Für die CSU kamen die massiven Stimmenverluste bei der Bundestagswahl unerwartet. Verschiedene Umfrageinstitute hatten der Partei in den Monaten vor dem Wahlgang bessere Ergebnisse prognostiziert. So titelte der „Bayerntrend“ des Bayerischen Rundfunks am 24. Mai 2017: „Umfrage sieht CSU und Merkel in Bayern vorn“. Die Demoskopen nahmen bei vielen Wählerinnen und Wählern eine posi­tive Wahrnehmung der wirtschaftlichen Situation wahr; 60 Prozent äußerten sich zufrieden zur Arbeit der Berliner Regierungskoalition (Bayerntrend 2017). Eine GMS-Umfrage erwartete am 6. Juni 2017 49 Prozent für die Christsozialen; infratest dimap rechnete am 6. September, gut zwei Wochen vor der Wahl, noch mit 47 Prozent. Zugleich aber wurde deutlich, dass Fragen der Migration die größte Heraus­forderung für die bayerischen Bürgerinnen und Bürger darstellten. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) betrachtete die Flüchtlingsmigration als aktuell wichtigstes Problemfeld (Bayerntrend 2017).

Angesichts des Absturzes auf 38,8 Prozent bei den Zweitstimmen reagierten führende CSU-Politiker/-innen regelrecht geschockt. Noch am Wahlabend begannen die ersten Analysen. Der frühere Parteichef Erwin Huber sprach von einer „Katastrophe“ und forderte, die CSU müsse sowohl politische Inhalte als auch ihre Position gegenüber der CDU infrage stellen. Ministerpräsident und Parteivorsitzender Horst Seehofer meinte, die CSU habe eine offene Flanke auf der rechten Seite gehabt: „Es kommt darauf an, dass wir diese Flanke schließen. Mit klarer Kante und klaren Positionen.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprach von einem bitteren Wahlabend. Für die CSU bedeute dies, dass sie ihre Themen – vor allem die Migrations- und Flüchtlingspolitik – in anstehenden Koalitionsverhandlungen noch stärker deutlich machen müsse.

Am nächsten Tag stellte Seehofer im Parteivorstand die traditionelle Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag zur Debatte, bat um offene Meinungen und Abstimmung, machte jedoch deutlich, dass er selbst sie nicht aufkündigen wolle. Am Ende stimmten alle für die Fortsetzung der Fraktionsgemeinschaft. Auch an Seehofer selbst wurde zunehmend Kritik geübt. Am Dienstag nach der Wahl forderten einige CSU-Orts- und Kreisverbände sogar seinen Rücktritt, zugleich meldeten sich aber auch Unterstützer zu Wort (Spiegel online 2017a). Seehofer dachte jedoch zunächst nicht an Rücktritt: „Wenn jemand das anders will, dann soll er es sagen“, meinte er. Nachdem sich die CSU-Führung vom ersten Schock erholt hatte, wurde klar, dass sie in der Flüchtlingsfrage weiterhin auf Konfrontation mit der Kanzlerin setzen würde.

Nicht weniger geschockt zeigten sich die bayerischen Sozialdemokraten, die mit 20,5 Prozent ebenfalls ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl geholt hatten. SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender Schulz hatte noch am Wahlabend angekündigt: „Mit dem heutigen Abend endet die Zusammenarbeit mit CDU und CSU“. Unter tosendem Beifall von anwesenden SPD-Mitgliedern sagte er im Willy-Brandt-Haus. „Ich habe der SPD-Führung empfohlen, dass die SPD in die Opposition geht“. Die SPD-Landeschefin Natascha Kohnen sah in einer ersten Analyse die Große Koalition in Berlin als Hauptursache für die dramatischen Verluste der SPD an. Der bayerische SPD-Parteivorstand beschloss deshalb am 3. Oktober einstimmig eine Absage für eine Fortsetzung des Regierungsbündnisses mit der Union. Stattdessen wollte man nun das soziale Profil der Partei schärfen, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Auch angesichts des erstaunlich guten Abschneidens der Linken befürwortete die Bayern-SPD einen „Ruck nach Links“ (alle Zitate dieses Absatzes: Süddeutsche Zeitung 2017a).

Während CSU und SPD ihre Wunden leckten, triumphierte die AfD. Offenkundig war ihre Strategie in Bayern aufgegangen: die CSU attackieren und die Flüchtlingspolitik in den Fokus rücken. Der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron interpretierte das Wahlergebnis als „Quittung für die Altparteien“ (Süddeutsche Zeitung 2017b).

Nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern führte das unerwartet starke Abschneiden der AfD zu Turbulenzen. In Sachsen etwa war die CDU nach erdrutschartigen Verlusten von 15,7 Prozentpunkten auf nur noch 26,9 Prozent der Zweitstimmen abgestürzt und hinter der AfD, die 27 Prozent erreichen konnte, nur noch zweitstärkste politische Kraft geworden. Als Reaktion darauf kündigte am 18. Oktober 2017 Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) seinen Rücktritt an. „Dass der Regierungschef eines Bundeslandes zurücktritt, ist nichts Ungewöhnliches. Aber, dass dafür eine Bundestagswahl verantwortlich ist, ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, meinte ein Politikwissenschaftler (Träger 2018, 196). Doch es blieb nicht bei diesem Einzelfall. Auch in der CSU wurde der Druck auf Horst Seehofer immer größer (Spiegel online 2017b). Am 4. Dezember 2017 verkündete er, das Amt des Ministerpräsidenten zu Beginn des Folgejahres niederlegen zu wollen. Die CSU-Landtagsfraktion wählte Markus Söder zum designierten Nachfolger. Am 13. März 2018 trat Seehofer als bayerischer Ministerpräsident zurück.

Die Bundestagswahlen von 2017 und die damit verbundene Veränderung der Parteienlandschaft wirkten noch lange nach. Die Bildung einer neuen Bundesregierung dauerte fast ein halbes Jahr. Nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen zur Gründung eines „Jamaika“-Bündnisses von CDU/CSU, FDP und Grünen raffte sich die SPD entgegen ihrer ersten Ankündigung doch noch einmal auf, mit der ­Union in eine Große Koalition zu gehen. Diese Große Koalition verdiente ihren Namen freilich nicht: Die einstmaligen großen Volksparteien gab es nicht mehr. Angela Merkel wurde zwar am 14. März 2018 mit 364 Stimmen zur Bundeskanzlerin gewählt (355 betrug die Kanzlermehrheit). Aber so knapp war ihre Mehrheit noch nie gewesen (Jesse 2018, 190).

Auch für den Freistaat Bayern markierte die Bundestagswahl von 2017 eine Zeitenwende. Wie sich ein Jahr später bei der Landtagswahl im Oktober 2018 zeigen sollte, war das Wahlergebnis kein einmaliger Ausrutscher gewesen. CSU und SPD schnitten sogar noch schlechter ab. Die über Jahrzehnte währende, fast ununterbrochene, Alleinregierung der CSU im Freistaat endete, und sie ist wohl für immer verloren. Noch ist nicht klar, welche Gestalt das Parteiensystem Bayerns in Zukunft haben wird. Wie wird sich die AfD entwickeln? Wird die SPD marginalisiert werden? Werden die Grünen zur neuen Volkspartei? Viele Fragen müssen noch offen bleiben. Aber in jedem Fall ist „Bayern“ nun nicht mehr gleichbedeutend mit „CSU“.

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Abb. 1: Zweitstimmenergebnis auf Bundesebene – Stimmenanteile der Parteien in Prozent
2013 (links) und 2017 (rechts)

Quelle: Bundeswahlleiter 2017

Abb. 2: Zweitstimmenergebnis in Bayern –Stimmenanteile der Parteien in Prozent
2013 (links) und 2017 (rechts)

Quelle: Bundeswahlleiter 2017

Abb. 3: Erststimmenergebnis in Bayern – Stimmenanteile der Parteien in Prozent 2013
(links) und 2017 (rechts)

Quelle: Bundeswahlleiter 2017