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Kristina Stoeckl

Die russisch-orthodoxe Kirche im Krieg

The Russian-Orthodox Church in War

Abstract Russia’s attack on Ukraine on February 24, 2022 has marked a turning point for the Russian Orthodox Church. The head of the Church, Patriarch Kirill, has unconditionally supported the Kremlin. As a result, the church has not only lost its chance of an independent position vis-à-vis the Russian political leadership, it has also irretrievably lost its Orthodox communities in Ukraine. For the Russian Orthodox Church, the war has ended a phase of institu­tional and dogmatic renewal that began with the end of communism. After a period of relative openness to theological innovation and global trends, the church has become a ­national church, supporting the Kremlin ideologically and politically. By contrast, the Orthodox Christian Churches in Ukraine, albeit in conflict with each other, are entering a new era in which the symbolic power and influence of the Moscow Patriarchate is broken. Kristina Stoeckl analyzes the processes and events that have brought the Orthodox Churches in the region to this point. 

1. Einleitung

Der Krieg, den Russland am 24. Februar 2022 in der Ukraine entfesselt hat, markiert das Ende einer langen Periode des Optimismus und des Friedens in Europa, die bis zum Ende des Kalten Krieges zurückreicht. Tatsächlich waren die dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht gänzlich friedlich: Die Kriege auf dem Balkan, in Tschetschenien, die russische Invasion in Georgien im Jahr 2008, die völkerrechtswidrige Annexion der Krim sowie die Kämpfe in der Ostukraine seit 2014 waren deutliche Anzeichen dafür, dass das Ende des Kalten Krieges Europa keinen dauerhaften Frieden gebracht hatte. Aus westlicher Sicht, die sich auf die fortschreitende Erweiterung der Europäischen Union konzentrierte und den Riss des Eisernen Vorhangs durch die Freizügigkeit von Personen und Waren langsam vergessen machte, schienen diese Anzeichen von Instabilität jedoch sekundär zu sein. Die Bombardierung ukrainischer Städte durch die russische Armee, der Zustrom ukrainischer Flüchtlinge in europäische Länder und der Wirtschaftskrieg, der mit Sanktionen einerseits und der Kürzung der Gaslieferungen andererseits geführt wird, markieren demgegenüber einen Wendepunkt. Der Optimismus der Vergangenheit erscheint heute naiv. Einen Wendepunkt markiert der 24. Februar auch für die russisch-orthodoxe Kirche, die sich in der Figur des Patriarchen bedingungslos an die Seite des Kremls gestellt hat. Die Kirche hat damit nicht nur die Chance auf eine unabhängige Stellung eingebüßt, sondern auch die orthodoxen Gemeinden in der Ukraine unwiederbringlich verloren. Mit dem Krieg endet für die russisch-orthodoxe Kirche eine Phase der vorsichtigen Erneuerung, die mit dem Ende des Kommunismus begonnen hatte. Die Kirche ist zu einer Nationalkirche geworden, die den Kreml ideologisch und politisch unterstützt. Für die Orthodoxie in der ­Ukraine beginnt hingegen eine neue Ära, denn die symbolische Macht und der Einfluss des Moskauer Patriarchats scheinen auf lange Sicht gebrochen. Der Artikel zeichnet die Prozesse und Ereignisse nach, die die Kirchen in der Region an diesen Punkt gebracht haben, und fragt nach den Folgen der tiefgreifenden Veränderungen, die die russisch-orthodoxe Kirche, die orthodoxen Kirchen in der Ukraine und die orthodoxen Kirchen weltweit erleben.

2. Anzeichen von Vielstimmigkeit: Die postsowjetische Identität der russisch-orthodoxen Kirche

Während der siebzig Jahre des kommunistischen Regimes von 1917 bis 1991 war das Leben der russisch-orthodoxen Kirche von vier kontrastierenden Erfahrungen geprägt: Repression, Kollaboration, Dissidenz und Emigration (Stoeckl 2020).

Die Repressionen der 1920er und 30er Jahre hatten die russisch-orthodoxe Kirche durch die Verfolgung der Gläubigen, die Hinrichtung von Geistlichen, die Beschlagnahmung von Kirchengebäuden und liturgischen Geräten sowie eine aggressive antireligiöse Propaganda an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Selbst in den letzten Jahrzehnten des Sowjetregimes, als die religiöse Verfolgung weniger blutig war, war die Kirche noch immer nicht frei und ständig von neuen repressiven Maßnahmen bedroht (Codevilla 2011).

Angesichts eines allmächtigen und allgegenwärtigen Staates wählten nicht wenige Persönlichkeiten innerhalb des Klerus des Moskauer Patriarchats den Weg der Kollaboration mit den sowjetischen Behörden, oft in der Überzeugung, dass nur so das Überleben der Kirche selbst gesichert werden könne (Roccucci 2011).

Andererseits gab es unter den Gläubigen und Geistlichen auch solche, die den Weg der Dissidenz wählten und das politische System und die kirchlichen Würdenträger, die mit dem Regime kollaborierten, kritisierten. In einem gesellschaftlichen Umfeld, das jeder religiösen Äußerung feindlich gegenüberstand, legten sie als Dissidenten Zeugnis für ein christliches Leben ab. Sie mussten dafür mit Nachteilen in ihrem Berufsleben rechnen, viele wurden inhaftiert (Guaita 2004).

Neben diesen drei Erfahrungen des religiösen Lebens in der Sowjetunion – Repression, Kollaboration, Dissidenz – machten viele russisch-orthodoxe Gläubige noch eine andere Erfahrung, nämlich die Emigration in den Westen. Die russische Emigration hatte seit 1921, dem Jahr der größte Auswanderungswelle von Intellektuellen, die Identität einer Hüterin und Bewahrerin des aus der Heimat verbannten religiösen und kulturellen Erbes übernommen. Die Theologie der russischen Emigration musste sowohl mit den widrigen Bedingungen, unter denen die Mutterkirche in der Sowjetunion lebte, als auch mit der Realität des religiösen Pluralismus in westlichen demokratischen und säkularen Ländern, die sie aufgenommen hatten, zurechtkommen (Stoeckl 2007).

Erst das Jahr 1991 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges ermöglichte nach vielen Jahrzehnten eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Erfahrungen, die das russische Glaubensleben im letzten Jahrhundert geprägt hatten: Repression, Kollaboration, Dissidenz, Emigration. Was würde die russisch-orthodoxe Kirche aus diesem Erfahrungsschatz machen? Welche Lektionen beherzigen? Welche verwerfen? Es boten sich für die russisch-orthodoxe Kirche in der Phase der postkommunistischen Transition verschiedene Rollen und Definitionen ihrer postsowjetischen Identität an: die Kirche konnte zum Ort eines aufblühenden Glaubens unter Bedingungen der Religionsfreiheit werden, zu einer Verfechterin der Demokratisierung an der Seite der Zivilgesellschaft und eine potenziell regierungskritische Instanz – ganz nach dem Vorbild der Dissidenten und in Anlehnung an die Erfahrungen der Emigration, die ja bereits Übung damit hatte, das orthodoxe Bekenntnis in einem demokratischen Kontext zu leben. Oder sollte sich die russisch-orthodoxe Kirche als eine quasi-staatliche Religion definieren und an das alte byzantinische symphonische Modell anknüpfen? Damit ging einher die Rolle einer Hüterin russisch-orthodoxer Kultur, welche für die zivile und politische Identität Russlands nach dem Kommunismus stehen, an die imperiale Vergangenheit anknüpfen und auf die in der Sowjetzeit geschaffenen Verbindungen zum Staat aufbauen sollte – also dem Modell der Kollaboration folgend. Welchem Weg, welchem Selbstverständnis würde die russisch-orthodoxe Kirche nach 1991 folgen?

Tatsächlich schlug die russisch-orthodoxe Kirche in den letzten dreißig Jahren beide Wege ein. Die postsowjetische russische Orthodoxie zeichnete sich durch Ambi­valenz und Vielstimmigkeit aus, schwankte zwischen Freiheit und Kontrolle, Nationalismus und Transnationalismus und vermittelte den Gläubigen, dem russischen Staat, der globalen Orthodoxie und der Welt unterschiedliche Selbstbilder.

Für alle, die auf die russisch-orthodoxe Kirche erst im Verlauf des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine aufmerksam geworden sind und die seither über die Kriegspredigten des Patriarchen den Kopf schütteln, ist es schwer vorstellbar, dass dieser Patriarch bis vor gar nicht so langer Zeit als Träger eines kirchlichen Aufbruchs und als Modernisierer galt. Wer jedoch die russisch-orthodoxe Kirche seit den 1990er Jahren beobachtet hat, sei es als Wissenschaftler/in oder mit religiös-ökumenischem Interesse, konnte die Ambivalenz und Widersprüchlichkeit der russischen Religionswelt nicht ignorieren; sie wirkte verwirrend, faszinierend und zugleich beruhigend: Fundamentalisten hier, Traditionalisten dort, kleine Gruppen progressiver Christen in den Großstädten, kirchliche Normalität. Patriarch Kirill schien die Tore für verschiedene Ausdrucksformen seiner Kirche offen halten zu wollen. Fundamentalistischer Extremismus existierte neben liberalen Gruppen. Als Forscherin navigierte ich mehrere Jahre ungestört zwischen diesen Welten, suchte, zum Beispiel, in dem einen Moskauer Stadtviertel eine ultrakonservative Kloster­bibliothek auf und ging, vier Metrostationen weiter, zu einer Konferenz progressiver Theologen und Theologinnen. Als 2012 die Musikgruppe „Pussy Riot“ die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau stürmte und drei Mitglieder der Gruppe zu drei Jahren Haft verurteilt wurden, gab es unter den Geistlichen Stimmen, die zu Nachsicht aufriefen; und als 2017 orthodoxe Monarchisten wegen des Films „Matilda“ über die Liebesaffäre von Zar Nikolaus II. mit einer Ballerina Vorwürfe der Majestätsbeleidigung und Blasphemie gegen den Regisseur erhoben (es gab sogar einen Brandanschlag auf ein Kino), versuchte der Sprecher des Patriarchen die Wogen zu glätten (Uzlaner/Stoeckl 2019). Im Sommer 2018, als die Polizei hart gegen Proteste im Zusammen­hang mit den Moskauer Regionalwahlen vorging, öffneten einige Priester die Türen ihrer Kirchen, um den Demonstranten Schutz zu gewähren. Und es sei daran erinnert, dass Patriarch Kirill selbst, damals Metropolit von Smolenk und ­Kaliningrad, im Jahr 2000 einen langen Artikel in der Nezawissimaja Gazeta ver­öffentlichte, in dem er sowohl die Liberalen als auch die Fundamentalisten innerhalb der Kirche kritisierte und versprach, einen Mittelweg gehen zu wollen (Metropolitan Kirill 2000). Kurz gesagt, die postsowjetische russisch-orthodoxe Kirche schien zumindest prinzipiell offen für verschiedene mögliche Rollen innerhalb der russischen Gesellschaft.

Mit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 und mit den Stellungnahmen und Kriegspredigten des Moskauer Patriarchen ist es mit dieser Offenheit allerdings vorbei. Die postsowjetische russisch-orthodoxe Kirche, ambivalent, widersprüchlich und daher offen für verschiedene Wege in die Zukunft, gibt es nicht mehr. Es sind zwei grundlegende Entwicklungen, die diese Wende herbeigeführt haben: die Konsolidierung der russisch-orthodoxen Kirche als Nationalkirche und der Verlust großer Teile der Kirche nicht nur auf ukrainischem Gebiet, sondern auch in den baltischen Ländern und in der Diaspora.

3. Schließung: Die russisch-orthodoxe Kirche als Nationalkirche

Die Konsolidierung der russisch-orthodoxen Kirche als Nationalkirche festzustellen, mag angesichts der unzähligen Bilder, die Patriarch Kirill Seite an Seite mit Präsident Wladimir Putin zeigen, trivial erscheinen. Dabei war dieser Weg nicht unausweichlich. Während eines Großteils der postsowjetischen Periode pflegte das Moskauer Patriarchat ein Selbstbild, in dem es sich gegenüber den nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstandenen Nationalstaaten als überparteilich präsentierte. Die russisch-orthodoxe Kirche verstand sich keineswegs als Nationalkirche der Russischen Föderation, sondern vielmehr als transversale und transnationale kirchliche Einheit, die sich mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel oder auch dem Vatikan messen können sollte. Das Moskauer Patriarchat investierte in das Image einer globalen russisch-orthodoxen Kirche mit einem breiten Spektrum an kanonischen Zuständigkeiten und vielfältigen kulturellen und sprachlichen Bindungen über die Grenzen der Russischen Föderation hinweg, einschließlich Ländern wie Weißrussland, der Ukraine, den baltischen Staaten, Moldawien und der Diaspora in anderen Teilen der Welt. Das Konzept der Russischen Welt (Russkij mir), das vom Patriarchen erstmals in den 1990er Jahren definiert und verwendet wurde, war in erster Linie ein Zivilisationskonzept und als solches das genaue Gegenteil der Idee eines Nationalstaats oder einer Nationalkirche.

Spätestens mit der Verfassungsänderung von 2020 wurde jedoch ersichtlich, dass die politische Selbstdefinition der russisch-orthodoxen Kirche zunehmend nationalen Kriterien folgte. An der Verfassungsänderung, deren Hauptzweck darin bestand, Putin die Möglichkeit von zwei weiteren Amtszeiten zu garantieren, beteiligte sich die Kirche in der Rolle einer Stichwortgeberin.

Im Vorlauf der Verfassungsreform setzte sich Patriarch Kirill dafür ein, das Wort „Gott“ in die Präambel der Verfassung aufzunehmen, nach dem Vorbild der Nationalhymne der Russischen Föderation (Interfax 2020a). Die Nationalhymne verwendet die Melodie der alten sowjetischen Hymne und kombiniert diese mit einem Text aus dem Jahr 2000, der die Strophe enthält: „Russland – unsere heilige Nation [...] Heimat, von Gott beschützt!“ Diese Formulierung erinnert an die russisch-orthodoxe Liturgie, worin der Passus „Wir beten zum Herrn für unser von Gott behütetes Land“ vorkommt. Der für Verfassungsänderungen zuständige Ausschuss war bereit, diesen Vorschlag zu akzeptieren, allerdings nicht in der Präambel, die unverändert blieb. Stattdessen wurde ein neuer Absatz 67 – 1 (2) eingefügt, der wie folgt lautet:

„Die Russische Föderation, geeint durch eine tausendjährige Geschichte, die das Andenken an die Vorfahren bewahrt, die uns die Ideale und den Glauben an Gott weitergegeben haben, sowie die Kontinuität in der Entwicklung des russischen Staates, erkennt die historisch begründete Einheit des Staats an“ (Konstitutsiya 2020).

„Glaube an Gott“ wird in der Verfassung daher zu einem Faktor geschichtlicher Kontinuität und Einheit des Staats. Andere Funktionen von „Glaube“ – z. B. eine aktive Rolle in der Zivilgesellschaft, eine „prophetische“ (kritische) Funktion – werden dadurch sekundär.

Zweitens verwendet die neue Verfassung das Konzept des „russischen Volkes als Gestalter des Staates“ (gosudarstvoobrasujushchij narod). Laut Erzpriester Dmitri Smirnow (1951 – 2020), dem vormaligen Leiter der Patriarchalen Kommission für Familie, sollte die Verfassung „die besondere Rolle, die das russische Volk bei der Bildung des Staates gespielt hat“, deutlich machen (Interfax Religion 2020). Smirnow beeilte sich zu betonen, dass er nicht leugnen wolle, dass die zahlreichen in der Russischen Föderation lebenden ethnischen Gruppen ebenfalls eine wichtige Rolle in der russischen Geschichte gespielt hätten, aber eben nur das russische Volk sei das „staatsbildende Volk“. Um die Bedeutung des Ausdrucks gosudarstvoobrasujushchij narod besser zu verstehen, lohnt es sich, die Worte des Bischofs Savva von Zelenograd zu zitieren:

„Für die multinationalen und multireligiösen Menschen in Russland sind die russische Kultur und die russische Sprache prägend. Ohne die Besonderheiten anderer Nationalitäten, anderer Völker unterdrücken zu wollen, so ist das Russische doch prägend. Für die gesamte Vielfalt der Kulturen und Traditionen Russlands kann man das Russischsein mit dem Skelett vergleichen, an dem die Adern und Muskeln festgemacht sind. Ohne Skelett wird der Körper zu einer amorphen, un­organisierten und widersprüchlichen Masse“ (Episkop Savva Tutunov 2020).

Die Hervorhebung der russischen Sprache und Kultur („Skelett“) geht einher mit einer Hierarchisierung und Abwertung anderer Religions- und Sprachgruppen („amorphe Masse“) innerhalb der Russischen Föderation. Im neuen Paragraphen 68 der Verfassung wurde die Formulierung entschärft und auf die Amtssprache reduziert: „Die Amtssprache der Russischen Föderation ist auf ihrem gesamten Terri­torium Russisch als Sprache des staatsbildenden Volkes, das Teil der multinatio­nalen Union gleichberechtigter Völker der Russischen Föderation ist“ (Konstitutsiya 2020). Dennoch: dass namhafte Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche sich für eine solche exklusive Lesart russischer Sprache und Kultur einsetzten, kann als Hinweis auf das nationalistische Selbstverständnis der Kirche interpretiert werden.

Die dritte von der Kirche im Rahmen der Verfassungsänderung geforderte Idee wurde von Konstantin Malofeev, einem konservativen Oligarchen und seit 2018 stellvertretendem Vorsitzenden der ultranationalistischen Organisation Weltrat des russischen Volkes (Vsemirnyj Russkij Narodnyj Sobor) in die Debatte eingebracht. Malofeev plädiert dafür, in der Verfassung zu definieren, dass die Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden könne, um die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen zu verhindern (Interfax 2020b). Der Sprecher des Moskauer Patriarchats, Wladimir Legoida, schloss sich ihm an und fügte der Wunschliste der Kirche noch den Punkt „traditionelle Familienwerte“ hinzu. Beide Ergänzungen wurden in die geänderte Verfassung aufgenommen. In Paragraph 72, Absatz 1 wird nun die „Verteidigung der Institution der Ehe als Vereinigung von Mann und Frau“ und in Paragraph 114, Absatz 1 die „Erhaltung der traditionellen Familienwerte“ als Ziel der Russischen Föderation genannt (Konstitutsiya 2020).

Die Punkte, für die sich das Moskauer Patriarchat im Verfassungsprozess stark machte, bekräftigten die Identität der russischen Kirche als Nationalkirche und konservative Kraft im Staat. Von den verschiedenen Rollen, die die Kirche in der russischen Gesellschaft während der postsowjetischen Periode gespielt hat oder hätte spielen können, ist es die Rolle der Verteidigerin von „russischem Volk“ und „traditionellen Werten“, die sich durchgesetzt hat. Die Einweihung der monumentalen Kirche der Streitkräfte am Stadtrand von Moskau im Juni 2020 symbolisierte diese Mission (Kolov 2021) und markierte das Ende der ambivalenten, widersprüchlichen und letztlich offenen Ära der postsowjetischen russischen Orthodoxie.

Die ideologische Schließung im Sinne einer Nationalkirche bedeutet auch das Ende der Idee der russischen Welt als Zivilisationsbegriff. Dieser implizierte nämlich, dass die russisch-orthodoxe Kirche in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen politischen Gegebenheiten existieren kann, sowohl in Putins autokratischem Regime als auch in liberal-demokratischen und EU-integrierten Systemen, wie den baltischen Ländern. Doch diese Vorstellung von einer transnationalen russischen Orthodoxie, die anpassungsfähig und offen für verschiedene Formen politischer Regime ist, begann zu bröckeln, als Russland 2014 die Krim annektierte und der Konflikt in der Ostukraine ausbrach. Seitdem hat sich der Gedanke durch­gesetzt, dass sich die russische Welt dort befindet, wo Russland ist, d. h. wo der Kreml die Macht ausübt.

4. Verkleinerung: Die russisch-orthodoxe Kirche ohne die Ukraine

Im ersten Band des enzyklopädischen Werks Orthodoxie von Metropolit Ilarion ­(Alfeev 2008, 293) findet sich eine Tabelle aller orthodoxen Kirchen in der Welt mit der genauen Angabe der Anzahl ihrer Gläubigen und ihren kanonischen Territorien. Die russisch-orthodoxe Kirche ist, laut dieser Tabelle, nicht nur die zahlreichste (160.000.000 Gläubige), sondern auch diejenige, deren Jurisdiktion sich auf die meisten Länder erstreckt: Russland, Belarus, Ukraine, Moldawien, die baltischen Länder, die Länder Zentralasiens und die Diaspora in Westeuropa und im Rest der Welt. Die Liste ist offensichtlich aus der Sicht des Moskauer Patriarchats erstellt worden und spiegelt den Wunsch nach kirchlicher Hegemonie wider, nicht die tatsächliche Situation, denn in der Ukraine, in den baltischen Ländern und in Moldawien ist die kanonische Stellung des Moskauer Patriarchats umstritten.

In der Ukraine hält das Moskauer Patriarchat historisch, seit dem Wechsel des Patriarchensitzes von Kyiv nach Moskau im Jahr 1352, die kanonische Jurisdiktion über alle orthodoxen Christen. Diese kirchliche Gerichtsbarkeit wurde in der Zwischenkriegszeit des zwanzigsten Jahrhunderts in Frage gestellt, als der unabhängige ukrainische Staat gegründet wurde. Im Jahr 1921 wurde die autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche (AUOK) ausgerufen, die allerdings von den übrigen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wurde. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Kirche von den sowjetischen Behörden unterdrückt, existierte aber im Ver­borgenen und in der ukrainischen Diaspora, insbesondere in den Vereinigten Staaten, weiter. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der Ukraine wurde eine weitere orthodoxe Kirche, die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat, von Metropolit Filaret Denysenko gegründet, der sich 1992 vom Moskauer Patriarchat loslöste und zum Patriarchen von Kiew ernannte. Selbst dieser Versuch einer kirchlichen Autonomie in der Ukraine wurde vom Rest der ortho­doxen Welt nicht anerkannt. In der Ukraine blieb die überwiegende Mehrheit der Gemeinden unter der Jurisdiktion Moskaus, während die Gemeinden des Kiewer Patriarchats und die Gemeinden der AUOK sich in einem Zustand der Nicht-Kanonizität befanden.

Nach den politischen Umwälzungen des Jahres 2014 – den Maidan-Protesten, der bewaffneten Annexion der Krim durch Russland und dem Beginn des Krieges im Donbas – führte ein komplizierter Prozess zwischen politischen und kirchlichen Institutionen im Jahr 2018 zur Selbstauflösung der AUOK und der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats und zur Schaffung einer neuen kirchlichen Einheit, der orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Diese wurde vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel als autokephale Kirche anerkannt. Ein Teil der Gemeinden und des Klerus der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK) schloss sich der neuen Kirche an, aber etwa zwei Drittel der Gläubigen, die meisten Bischöfe und wichtige religiösen Zentren blieben unter der Jurisdiktion Moskaus. Die Gründung der OKU wurde vom Moskauer Patriarchat als illegitimer und feindlicher Akt betrachtet; Moskau brach die kanonischen Beziehungen zu Konstantinopel ab.

Die Schaffung der OKU machte die Ukraine zum einzigen mehrheitlich orthodoxen Land der Welt, in dem mehrere orthodoxe Kirchengerichtsbarkeiten nebeneinander bestehen. In der Regel haben die orthodoxen Kirchen die ausschließliche Jurisdiktion über „ihre“ kanonischen Territorien. Dieser innerorthodoxe religiöse Pluralismus in der Ukraine ist nicht unumstritten. Schon vor dem Krieg von 2022 gab es Stimmen, die forderten, die OKU solle zur ukrainischen Nationalkirche werden und die UOK des Moskauer Patriarchats vollständig übernehmen. Moskautreue Stimmen hingegen hätten die Errichtung der OKU am liebsten rückgängig gemacht und alle orthodoxen Gläubigen in die UOK des Moskauer Patriarchats zurückgeführt. In einigen Fällen gerieten Kirchengemeinden über die Entscheidung, welcher Kirche sie angehören sollten, in Konflikt. Seit 2014 behaupteten das Moskauer Patriarchat und der Kreml wiederholt, dass in der Ukraine eine religiöse Verfolgung ihrer Gläubigen im Gang sei. Diese Beschreibung entsprach allerdings nicht der Reali­tät vor Ort und übertrieb einzelne Konfliktfälle (Clark/Vovk 2020). Die sozio­logische Forschung aus der Zeit vor dem Krieg legt vielmehr nahe, dass fast ein Drittel der ukrainischen orthodoxen Gläubigen auf die Frage, zu welcher Kirche sie gehören, ausweichend antworten und sich selbst als „einfach orthodox“ bezeichnen (Wanner 2022).

Mit dem Krieg von 2022 wurde das empfindliche Gleichgewicht zwischen den orthodoxen Kirchen in der Ukraine auf den Kopf gestellt. Der brutale Einmarsch der russischen Armee in die ukrainischen Gebiete hat das Leben der Gläubigen in diesen Regionen zerstört und die Kirchen, die Russland angeblich schützen wollte, in Trümmer gelegt. In kaum mehr als zwei Monaten ging die UOK von der Ver­urteilung des Krieges zur Ankündigung ihrer vollständigen Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat über. Viele Gemeinden in der Ukraine beschlossen, sich der OKU anzuschließen oder hörten auf, in der Liturgie des Patriarchen Kirill zu gedenken. Zuletzt häufen sich allerdings die Anzeichen, dass diese Gesten der Abgrenzung nicht ausreichen. Seit November 2022 gehen die ukrainischen Behörden vermehrt gegen die UOK vor und werfen einzelnen Bischöfen und Priestern „Spionage“ für Russland vor. Damit bauen sie Druck auf orthodoxe Gläubige auf, sich der OKU anzuschließen. Der orthodoxe Pluralismus in der Ukraine entwickelt sich in eine ungewisse Zukunft (Fert 2022). Klar ist jedoch, dass das Moskauer Patriarchat die Ukraine verloren hat (Elsner 2022).

Nicht nur die Ukraine, um genau zu sein. Die kirchliche Situation in Estland ­ähnelt der Lage in der Ukraine, auch dort existieren zwei orthodoxe Kirchen: die Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche, anerkannt vom Ökumenischen Patriarchen, und die Estnisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats. Das estnische ­Parlament hat kürzlich angekündigt, über ein Verbot letzterer beraten zu wollen. Lettland hat ebenfalls angekündigt, eine autokephale orthodoxe Kirche gründen zu wollen. In Moldawien stehen sich die moldauisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats und die dem Patriarchat von Bukarest unterstellte Autonome Orthodoxe Kirche Bessarabiens gegenüber. Die Zeichen sind deutlich: das Moskauer Patriarchat bezahlt seine Unterstützung von Putins Kriegskurs mit einem Verlust von ­Gemeinden und Gläubigen außerhalb Russlands; das kanonische Territorium des Moskauer Patriarchats schrumpft. Für eine Kirche, die nach jahrzehntelanger Unterdrückung 1991 mit dem Ziel antrat zu wachsen und die führende orthodoxe Kirche in der Welt zu werden, bedeuten die letzten sechs Monate einen tiefgreifenden Einbruch.

5. Spaltung: Orthodoxe Gläubige und der Kurs ihrer Kirche

Die große Medienpräsenz des Patriarchen und die Bilder von Priestern, die Soldaten vor der Einberufung segnen, könnte westliche Beobachter zur Annahme verleiten, die Menschen in Russland seien besonders religiös. Das Gegenteil ist der Fall. Die russische Gesellschaft ist nach vielen Generationen anti-religiöser sowjetischer Erziehung tief säkularisiert (Fagan 2014). Umfragedaten zeigen, dass zwar siebzig Prozent der Befragten sagen, es sei für Russinnen und Russen wichtig, orthodox zu sein, aber nur sechs Prozent der Befragten nehmen regelmäßig an Gottesdiensten teil (Pew Research Center 2014). Von denen, die aktiv am Kirchenleben teilnehmen, sind viele nachweislich wenig glücklich über die demonstrative Nähe von Kirche und Staat, die ihr Patriarch zelebriert. Anfang März wurde bei den Anti-Kriegs­protesten eine Frau verhaftet, die vor Moskaus Christ-Erlöser-Kathedrale ein Schild mit dem Satz „Das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten“ hochhielt. Ein Priester, der in seiner Predigt den Krieg verurteilte, wurde wegen Verunglimpfung der russischen Armee angeklagt. Ein unter Pseudonym veröffentlichter Bericht aus Russland, der im November 2022 in der Zeitschrift Religion und Gesellschaft in Ost und West abgedruckt wurde, stellt die Lage der Gläubigen in der ROK drastisch dar:

„Der 24. Februar 2022 hat unser Leben in ein Vor und Nachher gespalten. … Wir sind alle erschrocken und empört, dass praktisch keiner der höchsten Hierarchen der ROK die Kraft fand, zum Stopp des Krieges aufzurufen. … Wir sind ratlos, niedergeschlagen und verängstigt. Uns quält das Gefühl der Verantwortung für unser Land und für sein Tun … Wir möchten eine Sprache finden, um darüber mit Gott und den Menschen zu sprechen. Doch in der offiziellen ROK ist das unmöglich. Die Mauern der Kirche sind wieder errichtet [nach Zerstörungen in der Zeit des Kommunismus, Anm.], Bücher herausgegeben und sogar neu geschrieben worden, Gottesdienste finden regelmäßig statt – aber die wichtigsten Gedanken für das Leben finden die Menschen überall außer in der Kirche“ (Petrov 2022).

Von solchen Stimmen unbeeindruckt pflegen der Patriarch und seine Mitarbeiter unbeirrt die enge Zusammenarbeit mit dem Kreml. Die Russische Orthodoxe Kirche hat es seit dem Ende der Sowjetunion verabsäumt, eine eigene konstruktive Rolle in der russischen Gesellschaft abseits vom Staat zu definieren. Sie hat sich zu einem Träger nationaler Ideologie gemacht, die Russlands Rolle in der Welt religiös erhöht. Spätestens 2012, als Putin seine dritte Amtszeit als Präsident mit dem klaren Bekenntnis zu einer konservativen Werteagenda antrat, ist der Bund zwischen Kreml und Patriarchat besiegelt. Aus der Sicht vieler Gläubiger stellt sich die Situation freilich so dar wie zu Sowjetzeiten: die Kirchenhierarchie kollaboriert mit dem Kreml, die einfachen Gläubigen werden eingesperrt.

6. Schluss

In der medialen und wissenschaftlichen Diskussion über die Rolle der russisch-­orthodoxen Kirche im Krieg in der Ukraine fehlt es nicht an Verweisen auf gewichtige Begriffe wie „Symphonie“, „Imperialismus“, „Drittes Rom“ oder „Zusammenprall der Zivilisationen“, um eine Erklärung für die Ereignisse zu finden. Solche Konzepte können dazu beitragen, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in einen breiteren historischen und politischen Kontext zu stellen. Gleichzeitig laufen wir bei ihrer Verwendung jedoch Gefahr, bestimmte Dynamiken als gegeben hinzunehmen und in eine Art historischen Determinismus zu verfallen: zum Beispiel, dass Russland sich „zwangsläufig“ in einem Konflikt mit dem Westen sehen muss, dass die Ukraine „schon immer“ ein Gebiet der Konfrontation zwischen dem Westen und der ostslawischen Welt war, oder, dass der Patriarch von Moskau „notgedrungen“ den Herrscher im Kreml unterstützt. Die soziologische Perspektive ­versucht, die Debatte auf eine andere Ebene zu verlagern, indem sie von konkreten sozialen Erfahrungen ausgeht, die in einem bestimmten Raum und in einer bestimmten Zeit angesiedelt sind, und die Handlungen realer Menschen von diesen Erfahrungen ausgehend untersucht. In diesem Beitrag bin ich von der Feststellung ausgegangen, dass die Sowjetzeit das Leben der russischen Kirche auf vier verschiedene Arten geprägt hat: Repression, Kollaboration, Dissidenz, Emigration. Innerhalb der russischen Orthodoxie inspirierten diese Erfahrungen verschiedene Arten, den Glauben in der postsowjetischen Zeit zu leben. So wurde beispielsweise die Organisation Memorial, Trägerin des Friedensnobelpreises 2022, gegründet, um die Erinnerung an die Repression wachzuhalten und ihre Dynamik durch die Öffnung der Archive zu verdeutlichen. Sie wurde 2015 zum „ausländischen Agenten“ erklärt und 2021 auf Betreiben des Kremls geschlossen, der diesen Teil des kollektiven Gedächtnisses Russlands zum Schweigen bringen will. Orthodoxe Priester und Gläubige lassen sich auch heute noch vom Beispiel der Dissidenz inspirieren, und einige von ihnen haben Protestbriefe unterzeichnet oder wurden verhaftet, weil sie gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert haben. Und schließlich gibt es von Seiten der Orthodoxie außerhalb Russlands, aus der historischen und neueren Emigration, scharfe Kritik am Patriarchen. All diejenigen, die sich in der Erfahrung der Kollaboration nicht wiedererkennen, sehen sich heute von einer russisch-orthodoxen Welt ausgeschlossen, die sich nach dem Willen ihrer Führung allmählich um eine nationalistische Ideologie zusammenzieht. Der russisch-orthodoxen Kirche standen in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Wege offen, um einen Platz in der russischen Gesellschaft zu finden. An mehreren Weichenstellungen in dieser Zeit ist aber deutlich erkennbar, dass die Verantwortlichen den Weg der Schließung, Verkleinerung und Spaltung gewählt haben.

Literaturverzeichnis

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